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10. Mai 2020 Lesegottesdienst

zum Sonntag Kantate

Von SYBILLE FRERES, Prädikantin (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Prädikantin Sybille Freres

Begrüßung

Herzlich willkommen zu dieser Andacht am Sonntag Kantate – ein Sonntag auf dem Weg zwischen Ostern und Pfingsten.
Schön, dass wir uns hier treffen!

Votum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Ps.98,1)

Evangelium     Lk.19, 37-40

37 Als Jesus sich schon der Stelle näherte, wo der Weg vom Ölberg nach Jerusalem hinunterführt, brach die ganze Menge der Jünger in Jubel aus. Sie dankten Gott für die vielen Wunder, die sie miterlebt hatten. Laut sangen sie: 38 »Gepriesen sei der König, der im Auftrag des Herrn kommt! Gott hat Frieden mit uns geschlossen. Lob und Ehre sei Gott hoch im Himmel!« 39 Empört riefen da einige Pharisäer aus der Menge: »Lehrer, verbiete das deinen Jüngern!« 40 Er antwortete ihnen: »Glaubt mir: Wenn sie schweigen, dann werden die Steine am Weg schreien.«

Lied     EG 302, 1+2+8

Passend zum Sonntag Kantate – was ja übersetzt „Singt!“ heißt- hier ein Lied zum Mitsingen oder Zuhören:

Hier ausgeführt von unserer Organistin Frau Erika Burnett.

Strophe 1 Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.
Strophe 2 Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.
Strophe 8 Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

Predigttext     2. Chr. 5, 2-5, 12-14

2 Salomo rief die führenden Männer von Israel, alle Stammes- und Sippenoberhäupter, nach Jerusalem. Sie sollten dabei sein, wenn die Bundeslade des HERRN aus der »Stadt Davids«, dem Stadtteil Jerusalems auf dem Berg Zion, zum Tempel gebracht wurde. 3 Und so kamen im 7. Monat des Jahres alle männlichen Israeliten in Jerusalem zusammen. In diesem Monat wurde auch das Laubhüttenfest gefeiert. 4 Als alle versammelt waren, hoben die Leviten die Bundeslade hoch 5 und trugen sie hinauf zum Tempel. Zusammen mit den Priestern brachten sie auch das heilige Zelt hinauf, mit all seinen geweihten Gegenständen.


12 Auch die Sänger der Leviten waren gekommen: die Leiter Asaf, Heman und Jedutun mit ihren Söhnen und Verwandten. Sie trugen Gewänder aus feinem weißen Leinen und standen mit Zimbeln, Harfen und Lauten an der Ostseite des Altars. Bei ihnen hatten sich 120 Priester aufgestellt, die auf Trompeten spielten. 13 Zusammen stimmten die Sänger und Musiker ein Loblied für den HERRN an. Begleitet von Trompeten, Zimbeln und anderen Instrumenten sangen sie das Lied: »Der HERR ist gütig, seine Gnade hört niemals auf!« Während sie sangen, verließen die Priester wieder den Tempel, und es kam eine Wolke auf ihn herab. 14 Die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das ganze Haus, so dass die Priester es nicht mehr betreten konnten, um ihren Dienst darin zu verrichten. (2. Chr. 5, 2-5, 12-14)

Kurzpredigt    Liebe Leserin, lieber Leser,

hören   :   

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ - das ist der traditionelle Wochenspruch für den Sonntag Kantate – egal, ob Corona-Krise oder nicht.

Singet …

War Ihnen in den letzten Tagen und Wochen nach Singen zumute?  Nach fröhlichem Trällern, summen oder pfeifen?  Wahrscheinlich doch eher nach wütendem Beklagen oder nach Streiten, weil wir einfach zu eng aufeinander sitzen -  oder nach Weinen, weil wir Angst haben, wie sich das alles entwickelt.  Aber das Singen hat es uns doch ziemlich verschlagen…. Und wenn dann doch mal ein Lied über die Lippen kam – war es dann nicht eher wie das Pfeifen des kleinen Hänschen im Wald – aus Angst oder Trotz geboren? Und wie Spanier und Italiener mit den Nachbarn von den Balkonen zu singen, ist auch nicht so unser Ding...                                                                                                                                 Wir sind momentan nicht in einer Zeit, die zum Singen einlädt. Die war es übrigens auch nicht zu der Zeit, in der die beiden Lesungen sich abspielen – die eine in einer Zeit nach Krieg und Vertreibung, einer mühsamen Zeit des Wiederaufbaus von Beziehungen und Gebäuden. Die andere in einer Zeit der Besatzung und Unterdrückung und unterschwelliger Revolten.

Also ein Wochenspruch der Unmöglichkeit? Weil – kein Grund zum Singen da?

Das würde stimmen, wenn es nur ums unbekümmerte Singen ginge. Obwohl – wenn wir genau hinsehen, findet sich doch vielleicht der eine oder andere Grund zum leisen Singen: vielleicht ist ein neues Baby in die Familie gekommen – oder ein langes Telefonat hat einen alten Streit beigelegt. Fällt Ihnen noch mehr ein?

Aber auch wenn Sie nichts finden – einen! Grund zum Singen gibt es – und der Wochenspruch sagt es  uns deutlich: da steht nämlich:

Singet dem Herrn…

Singet dem Herrn?

Das war für die Menschen der beiden Bibeltexte eine eindeutige Sache! In der Zeit des Neubeginns nach der Rückkehr aus dem Exil in Babylon ist endlich der Tempel neu errichtet und wird feierlich eingeweiht – mit Musik, mit Gesang und Instrumenten. Den Menschen ist bei allen schwierigen Umständen, die der Alltag noch bereitet, zum Singen über Gott und seine Taten – denn mit dem Einzug der Bundeslade in den neuen Tempel ist Gott wieder gegenwärtig. Also: Singet dem Herrn!

Und die Jünger Jesu? Aus ihnen bricht der Dank an Gott in Form von Jubelliedern heraus - dass der ersehnte Retter da ist, der Messias, der von Gott gesandte König . Auch wenn viele von ihnen noch nicht begriffen haben, wie anders das Königreich Jesu aussehen wird – sie erkennen, dass Gott am Werk ist. Also: Singet dem Herrn!

Und wir?  In diesen Corona-Zeiten haben wir gerade in unserem Alltag so eine Aufforderung manchmal einfach nötig – weil Gott uns aus dem Blick kommt. Dabei ist doch eines sicher – und ich meine nicht die Rente – nämlich, dass Gott uns nicht alleine lässt in diesen Tagen der Ungewissheit.  Pläne lösen sich in Luft auf, Sicherheiten zerbröseln zwischen den Fingern - Jesu Zusage, immer bei uns zu sein, steht felsenfest. Wir sind vielleicht von Freunden, Kindern und Enkeln getrennt – aber nicht alleine. Jesus wohnt mit in unserer Wohnung – wenn wir Ihm einen Platz bei uns einräumen. Ich habe selten so intensiv Gottes Zuspruch bei der Bibellese gefühlt wie in den letzten Wochen. Altbekannte Texte bekamen plötzlich eine ganz andere Intensität.

Singet dem Herrn – das brauchen wir gerade jetzt, wo klar ist, dass wir in den irgendwann wieder stattfindenden Gottesdiensten nicht laut singen dürfen, nicht nur wörtlich zu verstehen. Denn unsere Sprache kennt schließlich den schönen Ausdruck des "Sprechgesangs"! Singet dem Herrn - das heißt dann: lobt Gott, gesungen, gesummt oder gesprochen – dankt Gott, laut oder im Herzen – redet zu anderen über Ihn und seine Güte und Liebe- das ist zur Zeit absolut dran. Nehmen wir das wahr?
„Wenn sie schweigen, dann werden die Steine am Weg schreien“ – so sagt Jesus zu den Pharisäern, die den Menschen den Mund verbieten wollen.  Wo stehen wir – wo stehe ich? Wir sollten unseren Platz im Jubel nicht den Steinen überlassen….

Und ein letztes:

Singet dem Herrn ein neues Lied….

Ein neues Lied? Damit ist ganz sicher nicht ein neues Gesangbuch gemeint – obwohl es gut ist, wenn wir immer wieder neue Lieder zu unserem Kirchenliederschatz hinzufügen, wie das Generationen von Christen auch vor uns getan haben.

Ein neues Lied – das heißt meiner Meinung nach: nicht mehr die oft nicht hinterfragte alte Leier im Reden und im Denken, nicht immer nur die bekannten, bequemen Wege.

Wie sieht unser neues Lied aus?

Ganz sicher bei jedem anders. Für mich war diese Form der online-Andacht schon mal das erste neue Lied.  Und ich habe das in unserer Familie seit meinen und meiner Kinder Kindertagen gewohnte Tischgebet ganz neu für mich entdeckt - und bete es jetzt so langsam, dass mir bewusst werden kann, dass Jesus wirklich an den Tisch kommen will und den Segen sprechen.
Ich habe Sehnsucht, noch mehr neue "Lieder" zu entdecken.

Welche neuen Lieder singen wir?

Vielleicht – ist es ein altes und altvertrautes Lied, in dem wir plötzlich nicht längst vergangene Zeiten, sondern uns und unsere Situation wiederfinden und es mit ganz neuer Überzeugung singen.

Vielleicht - ist es das noch ungewohnte frei formulierte Gebet, in dem wir unsere Bitten und unseren Dank in die eigenen Worte fassen  - und uns trauen, es im Kreis von Mitchristen laut zu sprechen.

Vielleicht - ist es ein neues Wahrnehmen von Gottes Gegenwart – in den vielen kleinen schönen Dingen, die wir in unserem ungewohnt verkleinerten Umfeld entdecken.

Vielleicht – ist es eine neue Demut, weil wir erkannt haben, dass wir Menschen eben nicht alles selber in der Hand haben- und Dankbarkeit gegenüber Gott, weil Er uns an und in der Hand hält.

Vielleicht – ist es ein neues bewusstes Verhalten meinen Mitmenschen gegenüber, weil ich anfange zu begreifen, dass das, was jetzt Solidarität mit den Schwachen der Gesellschaft genannt wird, eben das ist,  was Jesus meinte  mit den Worten: „Was ihr für einen meiner gering geachteten Geschwister getan habt, das habt ihr für mich getan.“

Vielleicht …                  was auch immer…..

Erinnern Sie sich an das Lied zur Handballweltmeisterschaft 2005 in Deutschland? Da hieß es im Refrain:

„Wenn nicht jetzt, wann dann?
wenn nicht du, wer sonst?“ 

Das könnte auch für uns Christen im Jahr 2020 geschrieben worden sein!

Also: Singt dem Herrn ein neues Lied – und lasst die Steine schweigen!

Amen.

Gebet

Dreieiniger Gott,Wir danken dir, dass du dich auf alten und auf neuen Wegen finden lässt.
Wir danken dir, dass du alles Unfertige und noch nicht ganz zu Ende Gedachte annimmst und vervollständigst.
Wir bitten dich, lass uns nicht aufhören, immer wieder nach dir zu fragen.
Lass uns deine Gegenwart, deinen Trost und deine Kraft spüren.

Vaterunser

Unser Vater im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Uns so segne uns alle der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Digitale Kollekte

Im Augenblick finden keinen öffentlichen Gottesdienste in unseren Kirchen statt.
Deshalb werden auch keine Kollekten für die verschiedensten Zwecke und Werke eingesammelt.
Wenn Sie doch etwas geben möchten, ist hier die Möglichkeit für die jeweiligen Tage dazu:

Herzlichen Dank für die Unterstützung.

Gruß

Allen Müttern wünsche ich einen schönen Muttertag - besonders denen, die im Seniorenheim sehnlichst auf den endlich erlaubten Besuch wenigstens eines ihrer Kinder warten!
Und uns allen wünsche ich eine singefreudige Woche!

Ihre/eure  Sybille Freres

Projekte, die wir unterstützen

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