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14. Juni 2020 Online-Predigt

von Pfarrer GUIDO KOHLENBERG, SPEICHER (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext    Apostelgeschichte 4, 32 - 37
32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. 34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte
35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. 36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Onlinepredigt     Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommen wird!

Liebe Geschwister, liebe Gäste

Ein Bibelabschnitt ist uns empfohlen, der ist dermaßen herausfordernd, dass ich ihn auf keinen Fall aus freien Stücken ausgewählt hätte. Wir haben ihn gerade schon gehört.

Und da sind Schneisen in diesen Versen von unbekannten Ausmaßen. Da stecken für Bibelleser Bezüge drin, da kann man Wochen drüber reden. Heute haben wir alle gemeinsam nur 8 Minuten dafür; deshalb ganz kurz vier „Schneisen“ oder Linien:

  1. Ganz persönlich: „Ein Herz und eine Seele“; diesen Ausdruck kenne ich seit frühester Kindheit, allerdings nicht aus der Bibel, sondern aus meiner Herkunfstfamilie und von „Ekel Alfred“, der Vorabendserie der 70er Jahre. Manche erinnern sich ja vielleicht. Da es an beiden Stellen selten wirklich wie „ein Herz und eine Seele“ aussah, muss ich mich beim Lesen von Apg 4 tatsächlich ein wenig anstrengen, das nicht ironisch zu verstehen! – Eine LINIE zurück in meine eigene Geschichte!
     
  2. Die Auferweckung Jesu wurde aus der Kraft Gottes heraus bezeugt und hatte dann - GNADE zur Folge. Das ist etwas, was Paulus in seinen 13 Briefen nicht müde wird zu betonen. Alles, was er da schreibt, erwächst letztlich aus der kräftigen Begegnung mit Jesus, dem Auferweckten und führte ihn in ein tiefes begreifen dessen, was GNADE eigentlich bedeutet. - Eine Linie in die Briefe des NT und die Missionstätigkeit des Paulus!
     
  3. „Sie hatten alles gemeinsam, verkauften, was sie besaßen,..“ Steht das denn nicht Apg 2? Das kenne ich, das habe ich schon auf großen Konferenzen gehört und immer immer wieder auch in Predigten. Aber hier steht das auch – rausgelöst aus der Euphorie der ersten Tage. Und doch: Es gilt noch. Erstaunlich. Eine Schneise, eine Linie die einerseits zurückreicht bis zur Pfingstpredigt des Petrus und nach vorne als Grundlage auch für die kommende nicht einfache Zeit der ersten Christen über das Apostelkonzil bis zum 4. Jhdt.
     
  4. Und dann taucht da ein „Barnabas“ auf. Er heißt nicht so. Er heißt Josef. Aber sie nannten ihn Barnabas – „Sohn des Trostes“. Ich finde, es gibt wahrlich schlimmere Spitznamen. Wissen Sie, wisst Ihr, wie Euch die Menschen nennen, wenn Ihr gerade nicht im Raum seid…?

    Dieser Barnabas ist praktisch der erste, der später mit Paulus losreist, um in der damals bekannten Welt Jesus zu bezeugen. Und er ist auch der, der nach dem großen ersten Konzil mit Paulus aneinandergerät. Der „Sohn des Trostes“ will den Markus wieder mitnehmen, von dem sie sich getrennt hatten. Der sich als nicht zuverlässig erwiesen hatte – als „Versager“, wenn man so will. Paulus will ihn nicht noch einmal mitnehmen. Und so gehen die beiden Urmissionare fortan getrennte Wege – was dazu führt, dass innerhalb der nächsten Monate doppelt so viele Regionen und Menschen mit der Botschaft von Jesus erreicht werden – du Markus eine zweite Chance zur Bewährung erhält.

    Ich weiß es heute nicht (und Ihr auch nicht), welch riesengroße Auswirkung die Entscheidung eines Menschen für viele andere haben kann! Ich muss es auch gar nicht wissen. Aber dass es das bei Gott gibt, das freut mich echt! -  Eine Schneise, eine Linie bis hinein in die Misisonsgeschichte und somit auch in das Leben jedes einzelnen von uns!
     
  5. Das Ablegen des Verkaufserlöses vor den Aposteln führt zu einer recht erschreckenden Geschichte des NT, nämlich der von Ananias und Saphira. Einige der ersten Christen verkauften Grundstücke und Häuser, gaben den Erlös den Aposteln und diese verteilten es dann je nach Notwendigkeit. So eben auch Barnabas – siehe oben – der seinen Acker verkauft hatte! (…) Daraufhin verkauft auch das Ehepaar Saphira und Hananias einen Acker, gibt aber nur einen Teil des Erlöses den Aposteln und – jetzt kommt das Entscheidende – behauptet aber, sie würden den gesamten Erlös abgeben. Dies führt zu einer harten Strafe Gottes! (Beide fallen hin und „geben den Geist auf“!) Und nein - nicht, dass sie etwas für sich behalten wollen, ist das Problem, sondern dass sie etwas anderes vorgeben, als sie tun! „Sie belügen damit Gott“ So nennt das der Petrus!

Ich weiß absolut nicht, wie es Ihnen und Euch jetzt damit geht. Eine reine wohlbedacht herausgesuchte Trostbotschaft – wäre die nicht viel angebrachter als diese Verse aus Apg 4? - Denn das hier - das das kommt mir alles doch so bekannt vor. Zugleich ist es so befremdlich und anstrengend. Und schließlich – ja - ist es doch auch dermaßen befreiend. – Jedenfalls empfinde ich das so…

Mit diesen drei Gedanken an uns hier am 14. Juni 2020 komme ich dann auch schon zum Schluss.

Zunächst, was mir bekannt vorkommt: Da gibt es jahrhundertealte Ordnungen. Da gibt es vertraute Orte, bekannte Feste, und man trifft auch immer wieder dieselben Leute. In Jerusalem vor 2000 Jahren zu Pfingsten und bei uns – selbst hier und heute – ist das ja doch auch ähnlich. Wir kennen fast alle den Ort. Das, was einen Gottesdienst ausmacht, ist uns in der Mehrzahl nicht fremd. Und manche könnten sogar die großen christlichen Feste erklären. - Und es ist ja gut, Traditionen zu haben. Die geben Sicherheit, ordnen das Miteinander. Und vertraute Räume machen alles gleich etwas leichter.

Zugleich – ich wiederhole mich – ziemlich anstrengend und befremdlich – ist da etwas ganz neu hineingekommen, das alte Ordnungen aufgelöst hat, Menschen nebeneinandergestellt hat, die sich da bisher nicht vorfanden und Menschen, die doch bisher gemeinsam unterwegs waren, einander entfremdet hat. Und die Herausforderung heißt: Was machen sie jetzt gemeinsam mit dieser Erfahrung und – ganz, ganz wichtig – was macht nun jede/r einzelne daraus? Nein, es will irgendwie nicht gelingen, an das Vertraute einfach anzuknüpfen. So manches ist so neu und so anders und so ungewohnt! Aber im Hören auf Gott – AUCH GEMEINSAM – einen neuen Weg zu finden, ist jetzt angesagt! Ich jedenfalls finde mich in dieser Situation der ersten Christen durchaus wieder.

Und schließlich empfinde ich das – man mag es gerade ja kaum aussprechen – manchmal und sehr zaghaft und nicht zu greifen und zu konservieren … - doch auch als sehr befreiend: Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher manchmal nach unserem angestammten Gottesdienst am frühen Sonntagabend noch mit ein paar Leuten zu so einem richtig abgefahrenen freakigen Event in der Innenstadt fuhr… oder als der Samstagvormittag in der Familie irgendwann mal anders als seit 10 Jahren verlief … Und Sie? Und Ihr?

Ja, es ist ein bisschen so, als würde der Grundschullehrer sagen: „Ach was, Du musst das jetzt nicht dividieren; du kannst es auch einfach zusammenzählen, addieren also.“ - Puh! - Als würden die Eltern am Morgen sagen: „Lass einfach heute mal das Bettzeug liegen (wir wollen ja zum Gottesdienst).“ – Puh! - Oder der Meister sagt dem Schreinerazubi: „Such dir heute das Holz einfach mal selber aus.“ Oder die Ehefrau… - Aber ich denke, Sie verstehen schon, was ich sagen möchte. Und ich will das auch bewusst nicht weiter aus-führen. Denn es geht beileibe nicht um Veränderung um jeden Preis!

Ich entdecke nur im Lesen dieser alten Geschichte eine Kraft, die Mut macht, ganz neue Wege zu gehen – innerlich und äußerlich. Und als eine solche KRAFT (DYNAMIS!) wird der Geist Gottes ja wirklich wenige Kapitel zuvor und dann auch in den nächsten Kapiteln der Apostelgeschichte beschrieben. Vielleicht kann uns Heutige tatsäch-lich diese Kraft ganz neu erfüllen und in Bewegung bringen – alleine und im Miteinander – in Speicher, Bitburg, Bollendorf … genauso, wie in China, Russland, USA, Brasilien, Angola, Italien… - So sind wir ganz offenbar eingeladen, kreativ und vertrauensvoll und am Besten mit einer Prise Humor, vorwärts zu gehen und dabei miteinander und auch jede/r für sich Gott zu fragen: Was ist jetzt dran?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre Sie in Christus Jesus, dem Gekreuzigten und Auferweckten und Gegenwärtigen! (Amen)

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Open Doors unterstützt verfolgte Christen mit Selbsthilfe-Projekten, Literatur, Schulung von Leitern, hilft Gefangenen und den Familien ermordeter Christen. 

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Familie Schmid ging vor über 1 1/2 Jahren als Missionare nach Taiwan um einheimische Pastoren auszubilden.

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