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30. August 2020 Online-Predigt

Gottesdienst zum 10. Sonntag nach Trinitatis

von Prädikant Friedrich Gasper (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Lesung:     1. Kor 3,9–15

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein
weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden.
Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren.
Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
Predigt:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Paulus und seine geliebte Gemeinde in Korinth, das war ein Wechselbad der Gefühle. Mit gleich zwei Häfen, war Korinth das quirlige Zentrum des Ost-West-Handels, wo sich Menschen aus aller Herren Länder tummelten. Wie viele Hafenstädte, hatte auch Korinth einen besonders schlechten Ruf. „Korinthern“ war damals ein gängiger Ausdruck für eine ungezügelte ausschweifende Lebensweise. Und in diesem Sündenpfuhl hatte Paulus eine Gemeinde gegründet und anderthalb Jahre unterrichtet bevor er nach Ephesus zog. Dort bat er Apollos nach Korinth zu gehen und sein Werk fortzusetzen, wozu dieser aber anfangs gar keine Lust hatte.
Apollos war, im Gegensatz zu Paulus, ein begnadeter Redner aus Alexandria, so eine Art Billy Graham der Antike. Als jüdischer Prediger, kannte er sich gut im Alten Testament aus, aber in der christlichen Lehre hatte er noch einige Wissenslücken. So kannte er nur die Taufe des Johannes zur Sündenvergebung, nicht aber die Taufe auf den Namen Jesus Christi, die über die Sündenvergebung hinaus auch den Empfang des Heiligen Geistes bedeutete. Er erhielt deshalb in Ephesus noch genauere Unterweisungen von einem älteren christlichen Ehepaar.
Paulus ließ sich regelmäßig über seine geliebte Gemeinde in Korinth berichten. Und die Nachrichten waren alles andere als erfreulich. Es gab Streit und Parteienbildung. Einige sagten, „ich gehöre zu Paulus“, andere „ich gehöre zu Apollos“ wieder andere „ich gehöre zu Petrus“ und ein paar besonders schlaue „ich gehöre zu Christus“. Dass es in Korinth zur dieser Bildung von Parteien kam, lag nicht an Apollos sondern vor allem an den Korinthern selber. Sie hatten immer noch nicht begriffen, was die Grundlage der christlichen Lehre war und benahmen sich eher wie die Anhänger von verschiedenen Fußballklubs und nicht wie Christen.
Paulus nannte sie deshalb manchmal auch seine unmündigen Kinder. In dieser zerstrittenen Situation musste Paulus mal wieder die Verhältnisse zurechtrücken und die Zusammenhänge klären. Er selbst hatte anderthalb Jahre lang die Grundlagen gelegt. Darauf sollte der Apollos nun aufbauen. Und der Grund, den er gelegt hatte war nicht irgendwas phänomenal Neues. Es war das Fundament, das schon Jesus Christus gelegt hatte. Dazu gab und gibt es keine Alternative. Jesus hat durch sein Leiden und Sterben uns Menschen wieder mit Gott versöhnt und uns zugesagt, dass jeder, der an ihn glaubt, gerettet wird. An ihn glauben ist aber mehr als seine Existenz für wahr halten. An ihn glauben heißt auch daran zu glauben, dass sein Werk erfolgreich ist. Und wenn man das glaubt als Gemeinde oder auch als Einzelperson, dann hat das Auswirkungen auf die Gestaltung des Gemeindelebens und auch auf die persönliche Lebensführung. Korinthern geht dann nicht mehr. Wie die Gestaltung des Gemeindelebens oder auch des eigenen Lebens stattdessen aussieht, kann nicht nur sehr verschieden sondern auch sehr umstritten sein.
Manche Gruppierungen sehen die Aufgabe einer christlichen Gemeinde in einer radikalen Frömmigkeit, die mit der Unmoral gleich jede Form von Lebensfreude ausrotten will. Ich kann mich noch daran erinnern, dass hier bei uns mal ein älterer Herr die Kirche sehr erbost verließ mit den Worten: „In der Kirche wird nicht gelacht.“ Wenn man im Bild des Paulus bleibt, der den Aufbau der Gemeinde an Hand von verschiedenen Baumaterialien beschreibt, dann könnte man hier an Betonköpfe denken.
Das krasse Gegenteil sind Gemeinden, die ständig Action haben müssen. Da jagt ein Highlight das andere. Die haben die charismatischsten Prediger, die besten Chöre und die meisten Gruppen und Kreise. Wo man hinschaut glänzt und glitzert es. Können Sie sich vorstellen, dass man so ein stabiles Haus bauen kann.
Ich bevorzuge, ehrlich gesagt Material wie Holz und auch Stroh und Heu um ein kuscheliges warmes Nest zu bauen. Das steht für mich für eine Gemeinde, in der man sich wohl und geborgen fühlt. Gerade heute, in der Corona-Krise, merkt man wie groß das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Geborgenheit ist.
Es gibt andere Ausleger, die verstehen diese Stelle als Gegenüberstellung von wertvollem und wertlosem Material. Sie verbinden das mit dem Gegensatz von Fleiß und Sorgfalt gegenüber Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit. Ich kann mich dem nicht anschließen und Paulus enthält sich in unserem Predigttext auch jeglicher Wertung. Er verweist vielmehr auf den Tag des Gerichts an dem sich zeigen wird, was Bestand hat und was nicht. Es ist durchaus möglich, dass Heu und Stroh sich als beständiger erweisen, als es so auf den ersten Blick erscheint. Ich verbinde damit nämlich vor allem einen liebevollen Umgang der Gemeindeglieder mit einander. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass man sich umeinander kümmert. Paulus schreibt, dass sich erst am Tag des Gerichts zeigen wird, welche Werke Bestand haben und welche nicht. Es ist durchaus möglich, dass sich dann die ein oder andere spektakuläre Aktion als Strohfeuer entpuppt und dafür eine unscheinbare Liebestat als wertvoller Edelstein glänzt. Wie Gott uns durch Jesaja schon sagen lässt, hat er eine ganz andere Sichtweise wie wir.

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Jes 55.8-9

Der letzte Abschnitt unseres Predigttextes klingt bedrohlich für Mitarbeiter.

Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden;

Da könnte man als Mitarbeiter leicht den Mut verlieren. Was ist, wenn alles was man für die Gemeinde macht sich als Mist herausstellt und das eigene Lebenswerk vor Gott keine Gnade findet? Ein tröstendes Wort ist da unser Wochenspruch:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

Zwei weitere gibt es in unserem Predigttext. Das erste steht ganz am Anfang: Wir sind Gottes Mitarbeiter.
Das heißt doch, dass Gott der ist, der handelt. Das ist eine ganz andere Perspektive als wenn wir etwas planen und Gott um Hilfe bitten. Die Pläne gehen von Gott aus und wir dürfen ihm helfen, auch dann wenn, wir eigentlich zwei linke Hände haben.
Das zweite steht ganz am Ende: Er selbst aber wird gerettet werden.
Selbst wenn wir nichts auf die Reihe kriegen und alles was wir bauen sich in Schall und Rauch auflöst, wird Gott und uns retten. Es gibt also keinen Grund die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun. Wir dürfen nicht nur mitarbeiten sondern Gott erwartet das auch von uns. Also nur Mut, nutzen wir unsere Gaben und vertrauen wir auf Gott, dass er alle Fehler, die wir machen korrigieren wird. Es kann sein, dass dadurch unser Stolz verletzt wird und wir am Ende mit leeren Händen da stehen. Aber auch dann bleibt die Hoffnung auf die Gnade Gottes.
Martin Luther sah das wohl ähnlich als er folgendes schrieb:
Hoffnung
Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen.
Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi Willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus mit mir.
Ich muss verzweifeln, aber das lasse ich bleiben.
Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu’ ich nicht.
Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin.
Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.
Dann spricht er zum Vater:
„Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle Deine Gebote übertreten, Vater, aber er hängt sich an mich. Was will’s! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlupfen.“
Das soll mein Glaube sein.

Und der Friede und die Liebe Gottes, die höher sind als all unsere Vernunft mögen unsere Herzen und Sinne bewahren in Jesus Christus.
Amen.

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