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31. Dezember 2020 Online-Predigt

von Prädikant Friedrich Gasper (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext:     2. Mose 13,20-22
20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
Predigt:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

Gott gibt Moses den Auftrag sein Volk aus Ägypten zurück nach Kanaan zu führen. Kanaan war das Land ihrer Väter, das Gott einst Abraham versprochen hat. Dahin sollten die Israeliten nun zurückkehren und damit aus der Knechtschaft der Ägypter befreit werden. Das war kein einfacher Auftrag für Moses. Einerseits musste er seine Landsleute davon überzeugen, dass Gott ihn gesandt hat um sein Volk zu befreien und in das gelobte Land zu führen und andererseits war der Pharao keineswegs bereit seine billigen Arbeitskräfte ziehen zu lassen.

Gott musste ihn mit den 10 Plagen gewaltig unter Druck setzen, bis er endlich, wenn auch widerwillig,  zustimmte und die Israeliten gehen ließ. Unser Predigttext setzt dann kurz danach ein.

20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Nun standen sie da am Rande der Wüste an der Schwelle zu einem neuen Leben in Freiheit. Ihr Ziel, das gelobte Land Kanaan, kannten sie nur vom Hörensagen. Die unwegsame Wüste hatten sie dagegen direkt vor Augen und bis auf Moses, hatte keiner von ihnen Wüstenerfahrungen. Sie mussten trotzdem sich entscheiden, ob sie Moses und damit Gott vertrauen und den Schritt in die Freiheit wagen oder nicht.

Die Alternative wäre gewesen umzukehren in die Knechtschaft des Pharaos. Der hatte seinen Entschluss, die Israeliten ziehen zu lassen, längst bereut und jagte hinter ihnen her. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sie einholen würde. Den kriegserprobten Streitwagen der Ägypter hatten die israelitischen Bauern und Handwerker militärisch nichts entgegen zu setzen. Sie hätten sich bedingungslos ergeben müssen.
Das war eine schwere Entscheidung zwischen dem Weg in eine ungewisse Freiheit und dem Verbleiben in der gewissen Unfreiheit.
Gott ließ sie in dieser Situation nicht alleine. Sie konnten mit eigenen Augen sehen, wie er das Heer der Ägypter einige Tage später vernichtete. Als sichtbares Zeichen blieb Gott auch Tag und Nacht in der Rauch und Feuersäule bei ihnen und wies ihnen den richtigen Weg. Das war nicht immer der kürzeste. Der wäre entlang der Küste durch das Land der Philister gewesen. Gott dachte aber, dass sein Volk den Mut verlöre und umkehren würde, wenn es mit diesen kämpfen müsste. So führte er sie auf einem Umweg über das Schilfmeer. Es sollte nicht der einzige Umweg bleiben.

Der Weg der Israeliten durch die Wüste in ihre eigentliche Heimat, weist einige Parallelen zu unserem Lebensweg auf. Auch wenn wir das im Alltag nicht so recht wahrnehmen, leben wir doch in Unfreiheit. Bewusst wird uns das noch am ehesten, wenn wir rückblickend Bilanz ziehen wie zum Beispiel heute, am Ende eines Jahres. Wenn wir dabei ehrlich mit uns selbst sind, entdecken wir vieles, was nicht in Ordnung war. Und wenn wir uns dann, wie jedes Jahr, vornehmen, das zu ändern, wissen wir doch, dass die guten Vorsätze nicht lange halten werden. Paulus bringt das Dilemma in Römer 7 auf den Punkt:

Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

Wie die Israeliten Gefangene des Pharaos waren, sind wir Gefangene der Sünde. Wie die Israeliten weit von ihrer eigentlichen Heimat Kanaan waren, sind wir weit entfernt von unserer Heimat bei Gott. Und wie die Israeliten brauchen auch wir seine Führung. Die Führung durch Gott wurde für die Israeliten in zweifacher Weise deutlich.
Erstens zeigt Gott ihnen den richtigen Weg. Bei Tage war es zwar kein Problem den Weg zu sehen, aber es gab auch damals schon viele Handelswege und entsprechend viele Weggabelungen, an denen man sich entscheiden musste. Der Weg Gottes mit seinem Volk verlief aber keineswegs gradlinig. Mit allen Umwegen und Schleifen dauerte er nicht nur ein paar Monate, sondern vierzig Jahre. Das entsprach der damaligen durchschnittlichen Lebenserwartung. Der Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit ist mehr als nur eine kurze, heftige Anstrengung. Er ist vielmehr ein lebenslanger Prozess mit vielen Umwegen. So ist es oft auch mit unserem Leben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viele Umwege ich gemacht habe, bis ich hier in dieser Gemeinde an dieser Stelle gelandet bin und Gott allein weiß, wie viele Umwege ich noch machen muss.

Was ich aber sicher weiß ist, dass Gottes Wege letztendlich zum richtigen Ziel führen werden, egal wie lange es dauert. Und ich weiß, dass Gott mich dabei begleitet und mich nicht als Verlust abschreibt, wenn ich mich wieder mal verlaufe.

Zweitens erleuchtete Gott für die Israeliten die Dunkelheit der Nacht. Das tut er auch für uns durch sein Wort und durch Jesus Christus. Wir bekennen das deshalb auch immer nach der Schriftlesung mit den Worten des Psalms 119

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.

Und im Johannesevangelium wird berichtet, das Jesus Christus sagt:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

„Ihm, dem Heiland, nachfolgen und damit Gott nachfolgen“, ist der alles entscheidende Punkt. Das ist eine Frage des Vertrauens. Damit taten die Israeliten sich manchmal sehr schwer. Sie wollten am liebsten einen Gott, der sie rundum versorgt, aber keine ernsthaften Forderungen an sie stellt. Irgendwelche Vorschriften und Rituale einzuhalten war zwar manchmal mühsam, aber doch irgendwie machbar. Etwas anderes war es im Vertrauen auf Gott das Risiko einzugehen, dass bisherige  vertraute Leben aufzugeben und etwas völlig neues zu wagen. Die Israeliten hatten sich darauf auch nur halbherzig eingelassen. Immer, wenn es Schwierigkeiten gab, war das Volk am murren. „Wären wir doch nur in Ägypten geblieben, da ging es uns doch gut, da hatten wir immer genug zu essen …“ Die Sprüche kennen wir nur allzu gut: „Früher war alles besser. War schon immer so. Haben wir noch nie gemacht.“

Menschen tun sich schwer mit radikalen Veränderungen. Und Menschen scheuen unkalkulierbare Risiken. So hatten die Israeliten die Grenzen von Kanaan schon viel früher erreicht und hätten im Vertrauen auf Gottes Hilfe nur noch einmarschieren müssen. Stattdessen revoltierten sie gegen Moses und wollten sogar nach Ägypten zurückkehren, weil zehn von zwölf Kundschaftern wahre Schauergeschichten über die Einwohner erzählten. Nur Kaleb und Josua riefen damals dazu auf, im Vertrauen auf Gottes Hilfe, das Land zu erobern. Risikobewertung gegen Gottvertrauen führt meistens dazu, dass das Gottvertrauen auf der Strecke bleibt, bei den Israeliten genauso wie bei uns auch.
Nach menschlichem Ermessen könnte man gut verstehen, wenn Gott jetzt endlich genug hätte von seinem störrischen murrenden Volk und sich abwendete. Aber so ist Gott nicht. Er blieb bei den Israeliten und führte sie weiterhin bis sie endlich, nach fast vierzig Jahren, gelernt hatten ihm zu vertrauen.

So handelt Gott auch mit uns. Auch wenn wir es oft nicht wahrnehmen, ist er doch bei uns und hilft uns. Ja liebe Gemeinde, auch in diesem Jahr, im Zeichen der Bedrohung durch das Corona-Virus, in dem vieles anders ist am Altjahresabend ist Gott bei uns. Statt einer lauten Feier mit Böllern und vielen Freunden feiern wir dieses Jahr stiller und nur in einem ganz kleinen Kreis. So traurig das ist, ist es  doch auch eine Gelegenheit mal zu Ruhe kommen und sich auf die wesentlichen Dinge des vergangenen Jahres zu besinnen. Wenn wir dann Bilanz ziehen, entdecken wir vielleicht nicht nur die negativen Situationen, die wir bestehen mussten. Gott erspart uns ja nicht jede Krise, aber er hilft uns hindurch, wenn wir das wollen. Vielleicht stellen wir dabei fest, dass der eine oder andere Umweg, auf den er uns geführt hat, sich am Ende als der bessere Weg herausstellte. Vielleicht entdecken wir auch, dass vieles von dem, was wir als selbstverständlich empfinden, eigentlich ein Geschenk ist. Dazu gehört zum Beispiel das Privileg, dass wir heute Gottesdienst feiern können. Vielleicht stellen wir auch fest, dass wir vieles von dem, was wir für unverzichtbar hielten, nicht wirklich brauchen. Vielleicht sehen wir auch die Menschen, die in dieser Krise bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus im Dienst der Allgemeinheit arbeiten,  jetzt mit anderen Augen. Auch sie sind ein Geschenk Gottes für das wir dankbar sein sollten.
Wenn wir nun auf das kommende Jahr 2021 blicken, machen wir uns natürlich Sorgen um unsere eigene Gesundheit, um die Gesundheit unserer Angehörigen,  um die Entwicklung unserer Wirtschaft, um unsere Arbeitsplätze und um vieles mehr. Trotz all dieser Gefahren und dieser Sorgen, können wir doch auf Gottes Hilfe vertrauen. Nina Ruge hat früher ihre Nachrichtensendung immer mit „Alles wird gut“ beendet. „Alles wird gut“ ist ein Irrtum, wenn wir erwarten, dass Gott all diese Probleme für uns lösen und das Virus einfach verschwinden lassen wird. „Alles wird gut“ ist aber eine berechtigte Hoffnung, wenn wir erwarten, dass Gott uns hilft diese Krise zu überstehen und dass wir gestärkt und mit einem anderen Bewusstsein aus dieser Krise hervorzugehen werden.

Kaum einer hat dieses Vertrauen auf Gott überzeugender ausgedrückt als Dietrich Bonhoeffer in dem Lied „Von guten Mächten"

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost was kommen mag
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Als er diese Zeilen schrieb saß er schon im Gefängnis und es bestand keine Aussicht, dass er jemals wieder frei sein würde. Im Gegenteil, es war noch nicht mal sicher, dass er den nächsten Tag erlebt. Vier Monate später wurde er auf den ausdrücklichen Befehls Hitlers hin als einer der letzten NS-Gegner hingerichtet.
Trotzdem war er voller Zuversicht. Besonders die zweite und sechste Strophe machen deutlich, worauf sich seine Zuversicht gründete. In der zweiten Strophe heißt es, dass wir nicht für ein Leben in Angst Schrecken geschaffen wurden, sondern für das Heil. Das Heil ist das Leben bei und mit Gott. In der sechsten Strophe heißt es dann, dass eine andere unsichtbare Welt sich um uns weitet, wenn diese Welt still sein wird. Diese unsichtbare Welt erschließt sich uns erst am Ende unseres Lebens. Sie ist aber das Ziel zu dem Gott uns führt. Es ist das ewige Leben bei ihm.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft möge unsere Herzen und Sinne bewahren in Jesus Christus.
Amen.

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