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"Lazarus"

©2021 Friedrich Gasper

An- und Einsichten eines Betroffenen

Mein Name ist Lazarus. Sie kennen mich sicher aus der Bibel. Da gibt es allerdings zwei Personen mit diesem Namen. Ich bin der aus Betanien, wo ich mit meinen Schwestern Maria und Martha gelebt habe. Das ist schon ein paar Jahre her (mehr als 2000). Wir waren damals, und sind es noch heute, mit Jesus von Nazareth befreundet. Meine Schwester Martha war für die damalige Zeit ungeheuer fortschrittlich, eine richtige Powerfrau, die alles fest im Griff hatte, auch Maria und mich. Maria war dagegen weniger an den praktischen Problemen des Alltags gelegen. Sie interessierte sich mehr für geistige Dinge, vor allem seit Jesus, als er wieder einmal mit seinen Freunden bei uns einkehrte, ihr ausdrücklich erlaubt hatte, sich zu uns in der Kreis seiner Schüler zu setzen. Das war damals für eine Frau schon so etwas besonderes, dass der Lukas sogar später in seinem Evangelium noch davon berichtete

Ich selbst war mit meinem eher unauffälligen Leben vollkommen zufrieden. Sie hätten wahrscheinlich nie von mir gehört, wenn ich damals nicht krank geworden wäre. Als es mir immer schlechter ging, hat Martha jemanden zu Jesus geschickt um ihn um Hilfe zu bitten. Überall im Land wurde erzählt, dass Jesus zahlreiche Kranke geheilt hat. Warum sollte er das nicht auch für mich tun, wo ich doch mit ihm befreundet war? Jesus ließ sich aber viel Zeit. So kam es, dass ich schon gestorben und seit 4 Tagen beerdigt war, als er endlich in Betanien eintraf. Von der Beerdigung und den ganzen Diskussionen, die es darum gab, habe ich nichts mitbekommen. Johannes hat mir aber später davon erzählt. Das erste woran ich mich erinnere war, dass Jesus mich gerufen hatte: „Lazarus komm raus.“ Das war leichter gesagt als getan. Als ich seine Stimme hörte, war ich erst einmal völlig orientierungslos. Das helle Licht vom Eingang meiner Grabhöhle blendete mich. Und das Gehen ist auch nicht so einfach, wenn man fest in Grabtücher eingewickelt ist. Jesus bat deshalb auch die staunend umher stehende Menge von Freunden und Bekannten, mir zu helfen. Es dauerte noch einen kleinen Moment, bis die Anwesenden begriffen, was passiert war. Auf ein Wunder hoffen und tatsächlich eines erleben sind zwei verschiedene Dinge. Martha war die Erste, die ihre Fassung wiederfand. „Komm, Bruderherz, ich mach dir erst mal was zum Essen. Danach sehen wir weiter.“
So richtig genießen konnte ich mein Pita-Brot mit Eierzwiebeln aber nicht, weil mich alle während des Essens so anstarrten. Ich konnte in ihren Augen sehen, welche Fragen sie hatten. Das ging noch ein paar Minuten so, bis sich endlich jemand traute sie auch zu stellen.  „Lazarus, wie ist es, wenn man dem Tod begegnet und wie sieht es im Totenreich aus? Wie ist das Gefühl, wenn man dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen ist?“
Verstehen kann ich diese Fragen schon, aber leider nicht beantworten. Ich bin dem Tod nicht von der Schippe gesprungen. Denn das hieße ja, dass ich selbst in irgendeiner Weise zu meiner Wiederbelebung beigetragen hätte. Das ist aber nicht der Fall. Ich weiß eigentlich nichts über das, was von dem Zeitpunkt an als ich einschlief bis zu dem Moment, als Jesus mich rief, passiert ist. Viele Menschen halten ja den Tod für ein Wesen, das selbständig bestimmt, wann das biologische Leben beendet ist. Ich habe nichts dergleichen gesehen und denke, dass der Tod kein eigenständiges Wesen, sondern vielmehr ein Zustand ist. Gott der Herr alleine bestimmt, wann und in welcher Form er eintritt.
In  meinem Fall war das Ende meines Lebens zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Gott vorgesehen. Gott hatte noch was  mit mir vor. Viele sollten meine Auferweckung hautnah mit erleben und dadurch zum Glauben an Jesus kommen. So ist es auch geschehen. Ganze Scharen von alten und neuen Jüngern zogen begeistert mit ihm nach Jerusalem. Ich wäre gerne mit ihm gezogen, nicht nur weil ich von ihm begeistert bin, sondern auch weil ich ihn noch fragen wollte, wieso er ausgerechnet mich für die Demonstration seiner Macht über den Tod ausgewählt hat. Dazu kam es aber nicht mehr. Martha hatte mit den langen Fußmarsch verboten. Sie meinte, ich müsste mich erst mal erholen, physisch und geistig. Sie hatte natürlich, wie immer, recht. Eine Woche später beschloss der Hohe Rat Jesus zu ermorden und mich gleich mit. Das wäre sicher auch so passiert, wenn ich damals mit nach Jerusalem gegangen wäre. Hier endet meine Geschichte. Wie es mit Jesus weiterging kann man in den Berichten von Johannes, Lukas, Markus und Matthäus nachlesen.

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