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05. Juli 2020 Online-Predigt

Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrerin z.A. SONJA MITZE (Evangelische Kirchengemeinde Bitburg)

Predigttext    Römer 12, 17 - 20
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“
Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Onlinepredigt

Liebe Leserinnen und Leser! Liebe Schwestern und Brüder!

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer.
Nachdem Paulus in einer langen Abhandlung seine Theologie dargelegt hat, kommt er nun, im 12. Kapitel zum praktischen Teil des Christentums:

Wie sollen wir als Christinnen und Christen leben? Wie sollen wir uns verhalten? - Paulus schreibt dazu:  Römer 12, 17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“
Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Paulus macht hier – im Gegensatz zu dem doch manchmal recht komplizierten theologischen Teil – klare, verständliche Ansagen, die eigentlich keiner weiteren Auslegung bedürfen, oder?

Alle und jeden mit Gutem bedenken. Keinen Streit anzetteln, sondern in Frieden mit allen leben. Klingt nach einem guten Plan. Klingt nach dem, was auch Jesus getan hat. Klingt eigentlich ganz einfach, oder?

Aber gelingt mir das auch bei denen, von denen ich meine, dass sie mir Böses wollen oder die mir sogar Böses tun?
Was ist mit der Mitschülerin, die diese peinlichen Fotos gepostet hat?
Was ist mit dem Nachbarn, der sich immer auf den Parkplatz der Kirchengemeinde stellt und dann für Gemeindeglieder kein Platz mehr ist?
Was ist mit dem Mann, der seine Frau schlägt?
Was ist mit Leuten, die andere beschimpfen, demütigen oder ihnen Gewalt antun, nur weil sie eine andere Hautfarbe, einen anderen Glauben oder eine andere politische Meinung haben als sie selbst?

Ich merke: so ganz einfach wie es sich bei Paulus liest, ist es wohl doch nicht. Und vermutlich wusste Paulus das auch, wenn er sagt: soviel es an euch liegt.

Was die anderen tun, darauf habe ich zunächst einmal wenig Einfluss.
Das einzige, worauf ich wirklich Einfluss habe, ist mein eigenes Verhalten: Das, wie ich auf die anderen reagiere.
Lasse ich meiner Wut freien Lauf?
Fange ich an, die Leute, über die ich mich geärgert habe oder die mir Schaden zugefügt haben, zu beschimpfen oder über sie zu schimpfen – das geht in der Regel etwas leichter?
Oder mit kleinen Gehässigkeiten zu antworten, z.B. die Fahrertür des notorischen Falschparkers so zuzuparken, dass er über den Beifahrersitz einsteigen muss?
Rache ist süß, heißt es, aber Paulus erinnert uns daran, dem Zorn Gottes Raum zu geben: Die Rache ist mein, spricht der Herr, zitiert Paulus aus dem Alten Testament. Und ist gebe zu: Rache ist nicht etwas, was ich mit Gott in einem Atemzug nennen würde. Und doch weiß ich, dass dieser Satz den Übeltäter vor der Rache der Geschädigten schützen soll.
So wie Gott Kain mit dem Kainsmal geschützt hat, nachdem er seinen Bruder umgebracht hatte.

Und ganz ehrlich: so manches mal habe ich mir diesen Satz aus dem Alten Testament dann doch ins Gedächtnis gerufen, um inneren Frieden zu finden:
Wenn ich in den Nachrichten Terror und Gewalt sehe: die Rache ist mein, spricht der Herr.
Wenn ich an die Grausamkeiten des Nationalsozialismus denke: die Rache ist mein, spricht der Herr.
Wenn ich von Kindesmissbrauch höre, der auch vor den Kirchen nicht halt macht: die Rache ist mein, spricht der Herr.
Es ist wie Balsam für meine Seele, wenn ich mir klar mache: all diese Grausamkeiten, all diese Verbrechen werden nicht ungesühnt bleiben, selbst wenn die Täter hier auf der Erde ungeschoren davon kommen. Gott wird jeden und jede einzelne von ihnen zur Rechenschaft ziehen – auf seine Art und Weise, nicht auf unsere, Gott sei Dank.
Ich persönlich stelle mir dann immer vor, dass Gott sie erkennen, wirklich und wahrhaftig erkennen lässt, was sie getan haben und sie so zur Ein-Sicht kommen.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Ich schätze, das ist Gottes Art mit dem Bösen umzugehen. Und genauso sollen wir es auch machen. Wir können es, weil Jesus Christus es uns vorgemacht hat. Das heißt nicht, dass wir nicht mehr wütend werden dürfen über all das Böse, was geschieht. Im Gegenteil: ich denke, dass unsere Wut uns zeigen kann, wo etwas nicht stimmt, wo etwas in die falsche Richtung läuft, wo es Veränderung braucht. Aber diese Veränderung können wir der Welt nicht mit Gewalt aufzwingen, verändern können wir immer nur uns selbst. Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sagt Paulus am Anfang des Kapitels, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes. Diese Erneuerung, diese Veränderung kommt letztlich von Gott. Indem wir uns von Gottes Liebe, seiner Barmherzigkeit, seiner Güte anstecken lassen, verändern wir zuerst uns und dann die Welt. So wie wenn man ein Licht in der Dunkelheit anzündet und diese dadurch erhellt.

Ja, ich weiß, vermutlich haben Sie genauso wenige hungrige oder durstige Feinde wie ich, an denen Sie das Ganze jetzt ausprobieren könnten, indem Sie sie mit Essen und Trinken versorgen.

Aber vielleicht haben Sie einen ewig miesgelaunten Nachbarn, der nie grüßt. Bringen Sie ihm doch mal ein Stück Kuchen vorbei und erkundigen sich, wie es ihm geht.
Oder da ist dieser Kollege, der Sie immer wieder auf die Palme bringt, wenn Sie ihn nur sehen. Fragen Sie sich, warum er es schafft, Sie auf die Palme zu bringen und versuchen Sie nicht ihn, sondern sich selbst zu verändern, damit er Ihnen nichts mehr anhaben kann und Sie seinen Provokationen mit einem Lächeln begegnen können.
Oder versuchen Sie mal, an die Leute zu denken, über die Sie sich am meisten ärgern, die Sie am meisten verletzt haben, und dann bitten Sie Gott, Ihre Verletzungen, Ihren Ärger zu heilen und den Leuten, die Ihnen das angetan haben, sein Licht und seine Liebe zu schicken.
Vielleicht werden wir die Veränderung nicht sofort bemerken.
Ein kleiner Stein, der ins Wasser fällt, ist auch zunächst kaum zu bemerken. Aber die Kreise, die er zieht, werden immer größer und weiter. Und irgendwann, da bin ich sicher, werden diese Kreise unser Leben merklich verändern – und mit ihnen das der Menschen, die uns begegnen und irgendwann wird Gottes Liebe in immer mehr Menschen brennen und so die ganze Welt verändern.

Amen

Lied EG369

"Ins Wasser fällt ein Stein" - eingespielt von Erika Burnett

 

 

1. Ins Wasser fällt ein Stein, / ganz heimlich, still und leise, / und ist er noch so klein, / er zieht doch weite Kreise. / Wo Gottes große Liebe / in einen Menschen fällt, / da wirkt sie fort, / in Tat und Wort, / hinaus in unsre Welt.


2. Ein Funke, kaum zu sehn, / entfacht doch helle Flammen; / und die im Dunkeln stehn, / die ruft der Schein zusammen. / Wo Gottes große Liebe / in einem Menschen brennt, / da wird die Welt vom Licht erhellt, / da bleibt nichts, was uns trennt.


3. Nimm Gottes Liebe an! / Du brauchst dich nicht allein zu mühn, / denn seine Liebe kann / in deinem Leben Kreise ziehn. / Und füllt sie erst dein Leben / und setzt sie dich in Brand, / gehst du hinaus, teilst Liebe aus, / denn Gott füllt dir die Hand.

Gebet

Guter Gott,

allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht sein,

das Böse mit Gutem überwinden - das hört sich gut an.

Aber wie schwer ist das manchmal, wenn Menschen mir begegnen,

die mir das Leben schwer machen.

Dann, guter Gott, sei du bei mir und hilf mir:

hilf mir Gutes zu tun und zu denken,

erfülle mich mit deiner Liebe,

auf dass ich dazu beitrage, dass dein Licht sich in unserer Welt ausbreitet.

Amen

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag!
Bleiben Sie gut behütet,
Ihre Vertretungspfarrerin Sonja Mitze

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